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Zu Ehren der schöpferischen Quelle und zum Wohle aller



Ganzkörper-Atmung & Tai Chi




Ort: Regine Hildebrandt Haus, Sachsenhausener Str. 1, 16515 Oranienburg
Zeit: Mittwochs 19 - 21:00
Leiter: Georg Keppler
Kosten: keine
Fragen:


Termine 2025 /2026, Mittwochs 19 - 21:00
24.12.
31.12.
7.1.
14.1.
21.1.
28.1.
4.2.
11.2.
18.2.
25.2.
4.3.
11.3.
18.3



Wohlspannung: raus aus dem entweder-oder

Wenn ein Pferd auf der Weide steht, satt ist und nicht bedroht, weder weglaufen muss noch nach Futter suchen, dann geht es in eine Ruhehaltung zwischen Schlaf und Überlebenskampf. Einer der beiden Hüften steht die andere Hinterhand entlastend etwas hoch, Kopf hängt leicht nach unten; für Detail auf das Foto links klicken (dann wieder schließen).

In dieser Haltung kann das Pferd innerhalb eines Wimpernschlags entweder flüchten oder sonstwie angemessen auf die jeweilige Situation reagieren. Es ist allzeit bereit ohne sich zu stressen, ruht auf der Schwelle zwischen d'rauf hauen oder abhauen einerseits (Anspannnung) und Schlaf andererseits (Entspannung), ohne sich auf das eine oder andere festgelegt zu haben. Es befindet sich in einer Wohlspannung.

Das können wir auch. Oder zumindest konnten wir es einmal. Die meisten von uns haben dieses Können verloren, weil es uns abtrainiert wurde, weil wir es uns abgewöhnt haben... Es lässt sich aber ziemlich leicht re-aktivieren, vorausgesetzt ich bin bereit es zu üben und ihm im Alltag wieder (s)einen Platz zu geben.

Worum geht's?

Durch andauernden Stress wird Atmung chaotisch / hektisch. Denn sie bedient was immer wir durch gewählte und gezwungene Aktivitäten von ihr fordern. Hektische Aktivität hat eine Auswirkung. Sie mindert unser innewohnendes Streben nach Ausgeglichenheit (Wohlspannung), und die biologische Synchronisation im Organismus nimmt entsprechend ab. Dadurch kann Stress im seine Auswirkungen ungebremst entfalten, Wohlspannung ist schnell keine Option mehr. Ständige Abspannung setzt sich durch, so dass wir irgendwann todmüde die totale Entspannung suchen müssen und alles was dazwischen liegt mehr oder weniger überspringen.

Wer Stress rechtzeitig bemerkt, kann mit kohärentem Atmen - einer einfachen Atemübung - den Auswirkungen andauernden Stesses entgegenwirken und sie mit etwas Übung stoppen. Die Voraussetzung dafür ist, dass ich mich im Moment des Stresses an das kohärente Atmen erinnere und sie durchführe. Das ist freiwillig. Es braucht meine Initiative.

sinnbildlich gesehen: Das Orchester

Die Atmung ist der Dirigent eines Orchesters von Organen: Herz (1. Geige), Lunge, Leber, Magen, Nieren, Duodenum, Pankreas, Milz, Ileum, Jujenum, Colon ... Wenn der Dirigent an auf seinem Handy rumdaddelt (nicht kohärente Atmung), dann macht jeder im Orchester was er will. Einer übt seinen Teil der Partitur, jemand anders geht eine rauchen, der dritte sendet social messages und jemand hat sogar sein Notebook rausgeholt und verfolgt Börsenkurse - Kakophonie. Sobald der Dirigent mit dem Taktstock gegen sein Pult schlägt, legen alle ihre Nebenbeschäftigung zur Seite und beginnen ein gemeinsames Klangkunstwerk zu erschaffen das keiner allein hinbekommen könnte. 1 plus 1 macht dann 5.

Zuviel Stress bedeutet in diesem Bild, dass der Dirigent vergessen hat wozu er da ist, dass er zu sehr in Probleme vertieft ist, um den für seine Aufgabe notwendigen Überblick zu behalten. Er braucht meine Initiative, dass ich ihm (der Atmung) auf die Schulter tippe und daran erinnere was zu tun ist, zum Wohle aller. Sonst daddelt er weiter auf seinem Handy herum, und der Rest des Orchesters macht was die/der einzelne gerade für wichtig hält und kann.

physiologisch gesehen: willkürlich / unwillkürlich

Unser Körper regeneriert sich jede Nacht in den ersten 30 Minuten nach dem Einschlafen. Diese Aktivierung der Selbstheilungskräfte, gekennzeichnet durch so genannte "alpha"-Gehirnwellen, passiert auch während eines kurzen Nickerchens von maximal 30 min. Wer also Nickerchen machen kann, sollte das unbedingt tun weil sie/er damit die tägliche Regeneration VERDOPPELT. Aufgepasst, wer länger "nickt" verpasst den Effekt und ist anschließend mehr erschöpft wie zuvor.

Wenn aber täglicher Stress und Hektik zu viel werden, fällt der erschöpfte Mensch direkt in den Tiefschlaf. Die regenerierende Einschlafphase wird übersprungen, die nächtliche Selbstheilung kann nicht, zumindest nicht ausreichend statt finden. Irgendwann können die täglichen Arbeiten nicht mehr erledigt werden und fangen an aufzulaufen. Der Müll bleibt bildlich gesehen auf der Straße liegen und behindert das Tagesgeschehen. Wieso machen wir das?


Gute Arbeit setzt Konzentration voraus. Es gibt zwei Möglichkeiten Konzentration zu erlangen - durch Entspannung oder durch Stress. Während Entspannung in der von uns geschaffenen Betriebsamkeit nur freiwillig möglich ist, kann Stress auch erzwungen werden.

Das tun z.B. Adrenalin Junkies ganz gezielt. Viele andere hetzen sich weniger gezielt mittels "zwingender" Umstände tagsüber (im beta-Zustand) derartig ab, dass Sie abends todmüde ins Bett und sofort in tiefen Schlaf fallen. Da der alpha-Zustand so übersprungen wird, wacht Mann/Frau morgens ähnlich müde auf, wie er/sie abends eingeschlafen ist. Es konnte ja kaum körperliche Regeneration, fast keine Selbstheilung stattfinden.

Durch die vielen mutwilligen Wiederholungen des betriebsamen Alltags wird die im Menschen angelegte Fähigkeit situations-gemäß von Überlebensaktivität (Sympathikus dominiert) auf Regeneration (Vagus dominiert) umzuschalten, ausgehebelt und schließlich inaktiv. Der Mensch läuft im Hamsterrad des Dauerstresses, trainiert sich dabei das Umschalten ab ohne es zu merken.

Die gute Nachricht? Es lässt sich rückgängig machen. Das Umschaltvermögen von Sympathikus (willkürliches Nervensystem) auf Vagus (unwillkürliches Nervensystem), und damit die Selbstheilungskräfte, kann ich re-aktivieren, mir wieder antrainieren.

Willkürlich kann ich z.B. meinen Arm anheben, aber nicht meinen Darm bewegen. Das heißt jedoch nicht, dass ich keinen Einfluss auf die unwillkürlichen Prozesse in meinem Körper habe. Die Schnittstelle ist die Atmung. Meinen Atem kann ich verändern, ihn kohärent machen, die Schnittstelle Sympathikus/Vagus ansteuern. Das nimmt innerhalb weniger Atemzüge Einfluss auf den Herzschlag und wirkt dann, in einer Kaskade, auf sämtliche unwillkürlichen Funktionen meines Körpers - das Orchester spielt wieder ein gemeinsames Klangkunstwerk.


Info & Tools

Audio-Vorlagen:
videoAtem dirigieren (~30min Video)

videoKohärenz von Bio-Rhythmen (~30min Video)
Tummo Tutorial (englisch) von somabreath.com