
Beispiel-1:
"Ich habe mich freiwillig hinten angestellt" heißt im Klartext dass ich mich nicht vorgedrängelt habe. Vordrängeln ist zwar gesetzlich nicht verboten, jedoch menschlich anmaßend. Das Gegenteil von freiwillig ist gezwungen, zwangsweise - per Gesetz oder einer anderen Gewalt. Und hier kommt die Ungenauigkeit des Lebens ins Spiel. Ich drängle mich eventuell vor wenn in der Schlange alle friedlich aussehen, jedoch nicht wenn sie aus grimmig blickenden Kleiderschränken besteht. Was hat das mit freiwillig zu tun? Oder welche äußeren Faktoren bestimmen meine Freiwilligkeit mit, wie hoch ist der Fremdeinfluss?
Beispiel-2:
Durch meine Unachtsamkeit ensteht ein Kratzer im Lack eines fremden Autos und ich kontaktiere den Besitzer um den Schaden zu regulieren. Das fällt mir leichter wenn ich an mieses Karma glaube, und diese angenommene universelle Gerechtigkeitstendenz als kosmisches Gesetz empfinde. Genau genommen ist das dann immer noch ein Fremdeinfluss, jedenfalls solange ich mir nicht vorstellen kann kosmische Gesetze mitbestimmt zu haben.
Beispiel-3:
Bei (m)einer anonymen Spende ist die Freiwilligkeit noch weniger abhängig von Fremdeinfluss. Und wenn mir aus dieser Freiwilligkeit Nachteile erwachsen, dann ist er fast ganz weg, der Fremdeinfluss. Was als Nachteil klassifiziert oder empfunden wird ist sehr unterschiedlich und geht von eingebüßtem Luxus bis Hungern müssen (wobei in unserer Gesellschaft ein bisschen Hungern, sprich Fasten durchaus gesundheitsfördernd sein kann).

Wie man es auch wendet und dreht, bei genauerer Betrachtung spielen bei meinem freiwillig immer äußere Faktoren mit, mal mehr, mal weniger. Freiheit und damit freiwillig ist eben relativ - weil wir nicht allein sind. Das nenne ich Fremdbestimmung wenn ich es nicht mag. Und wenn ich es mag sage ich Mitbestimmung dazu, mit Blick auf das Wohl aller. Und damit kommt der nächste schwammige Begriff ins Spiel. Denn auch der Selbstmordattentäter meint zum Wohle aller handeln zu müssen. Er hat dabei lediglich seine Freiwilligkeit an eine Ideologie ausgelagert oder an einen Demagogen verschenkt. Hat der Selbstmordattentäter das freiwillig gemacht, oder hat er sich von den Umständen breit schlagen lassen?
vorläufiges Fazit
Freiwilligkeit setzt also Eigenverantwortung voraus. Wer nicht eigenverantwortlich ist kann gar nicht freiwillig handeln, denn er/sie ist in dem Maße fremdgesteuert wie die Eigenverantwortung fehlt. Und weil ich mich äußerem Einfluss weder ganz entziehen kann noch sollte, hat Freiwillgkeit einen kollektiven Aspekt, gewollt oder ungewollt.Ist das nicht ein Wiederspruch wenn in meiner Freiwilligkeit andere mit entscheiden? Dann ist es doch gar nicht frei, selbst wenn es willig ist. Nun ja, das Leben ist halt voller Wiedersprüche. Und solange mir diese Wiedersprüche nicht klar sind, entfalten sie in dieser ihrer Verborgenheit mehr Kraft in meinem Leben als wenn ich die Tatsache anerkenne. Das bedeutet in diesem Falle anzuerkennen dass es mit meinem freien Willen nicht so weit her ist wie ich mir eingebildet habe. Ent-täuschend wie es ist, verschafft es mir doch einen Vorteil für mein weiteres Leben danach. In dieser Hinsicht zumindest kann ich ab sofort nicht mehr getäuscht werden, weder von mir selbst noch von anderen.
Diese Sachlage ist nicht wissenschaftliche erfassbar, weil nicht reproduzierbar. Sie ist eben jedes Mal anders. Darum wird es dazu niemals im doppelt-Blindversuch bestätigte Erkenntnisse geben können, aus denen sich ein Standard für alle ableiten ließe. Trotzdem kann mich an meinen bereits gemachten Erfahrungen orientieren, und an denen von anderen. Und da ist er schon wieder, der Fremdeinfluss alias Mitbestimmung.

wenn ich nach hinten schaue bin ich voller dankbarkeit
Dann heißt es ein Risiko eingehen, A zu sagen, das noch Unbekannte daraus erwachsende B in Kauf zu nehmen - und auszubaden.wenn ich nach vorn schaue bin ich voller visionen
Was zählt ist Vertrauen in das offensichtliche Wohlwollen des Universums das mir mein Leben ermöglicht, und mir bedingungslos alle für meine Entwicklung notwendigen Umwege ermöglicht.wenn ich nach oben schaue bin ich voller kraft
Falls daraus mal eine verifizierbare Theorie abgeleitet werden kann, um so besser. Bis dahin freue ich mich dass es funktioniert, und verzichte dankend darauf wissen zu müssen warum es so ist.wenn ich nach innen schaue bin ich voller frieden
Wie wird er möglich - der Frieden im Innern?
Nach dem ich mich damit angefreundet habe, was in der Wissenschaft als fuzzy logic (siehe links) erfasst wurde, bleibt noch die Sache mit dem unvermeidlichen Fremdeinfluss alias Mitbestimmung. Geboren werden wir (unter anderem) mit einem speziellen Typ von Nerven, der uns zu potentiellen Copycats macht - den SPIEGELNEURONEN. Dazu finden sie links oben wissenschaftliche Info. Spiegelneuronen ermöglichen uns extrem schnelles Lernen in der Kindheit bis zur Pubertät. Wir kopieren unsere Peers und erwerben damit den Grundstock an Mustern für unser zukünftiges Leben, und das sowohl im Tun, wie im Sprechen, im Denken und im Fühlen. Es summiert sich auf zu unseren nachpubertären Startbedingungen in ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben.In der Kindheit habe ich mir keine Gedanken zu Alternativen gemacht, nichts in Frage gestellt, einfach nur nach Herzenslust kopiert was mir in die Quere kam. Je bunter, desto besser. An diese Lerngeschwindigkeit kann ich mich später nur noch annähern. Denn mit der Pubertät schwindet mein grenzenloses Vertrauen in die Peers, zum Teil berechtigt, zum Teil unberechtigt. Es ist der Preis für meine zukünftige Selbstständig- und Unabhängigkeit und andere Dinge dir mir bis dato noch gar nicht in den Sinn gekommen sind. In der Folge fange ich an mir immer gründlicher zu überlegen wen ich zu kopieren versuche und wen nicht. Ich bin mißtrauisch geworden, und auf dem Weg mit meinem Mißtrauen durch Versuch und Irrtum ein gesunde Balance zwischen berechtigtem und unberechtigtem Mißtrauen zu finden. Das kann dauern. Der persische Dichte Rumi beschreibt das so:
Bleibe in der Begleitung von Liebenden.
Alle anderen Arten von Menschen wollen dir etwas zeigen.
Eine Krähe wird dich in eine leere Scheune führen,
ein Papagei zu Zucker.
Es hat eine ganze Weile gedauert bis ich herausgefunden habe was Rumi mit Liebenden meint. Tatsächlich stecke ich noch immer in diesem Prozess, habe zwar meine Schritte gemacht, bin aber noch lange nicht fertig. Darum weiß ich dass es sich lohnt. Was ich bisher herausgefunden habe ist, dass Rumi bedingungslos Liebende gemeint haben muss. In ihrer Gegenwart kann ich mein erworbenes und sonst notwendiges gesundes Misstrauen vergessen, und meinen Spiegelneuronen ungestraft den freien Lauf lassen den sie in meiner Kindheit bedingunglos hatten - mit entsprechender Lerngeschwindigkeit.
Bleibt die Frage wie ich bedingungslos Liebende von Krähen und Papageien unterscheiden kann.
Das ist so ähnlich wie mit einer Sprache. Deutsch kann ich nur in dem Ausmaß verstehen wie ich Deutsch spreche. Bedingungslose Liebe kann ich nur in dem Ausmaß erkennen wie ich selber dazu in der Lage bin. Und das muss ich erstmal wollen, sonst bleibe ich sprachlos wenn's um Deutsch geht, und ahnungslos wenn's um bedingungslose Liebe geht. Lernen kostet, und Rumi fragt:
Sieht der Sonnenuntergang manchmal so aus als würde die Sonne aufsteigen?
Weißt du wie sich eine treue Liebe anfühlt?
Du weinst. Du sagst dass du dich verbrannt hast.
Kennst du jemand der nicht vom Rauch vernebelt ist?
Jeder Lernprozess lebt von Irrtümern. Die kann ich als Gelegenheiten zum Wachsen betrachten oder als Risiken, die eingezugehen ich mich scheue. In welchem Fall werde ich dazu lernen? In beiden, denn die zweite Möglichkeit stellt sich als 100%-ig erfolglos heraus, und egal wie lange es dauert werde ich sie irgendwann als das erkennen und sein lassen. Dann bin ich bereit B zu sagen weil ich A sagen will. Ich empfinde "Misserfolge" immer weniger als Strafe und immer mehr als wohlwollende Korrekturimpulse des Universums.
In dem Moment wo ich enttäuscht bin fühle ich Ermutigung.
Wenn ich am Ende bin, bin ich geheilt.
Wenn ich ruhig und fest wie der Boden bin
dann spreche ich mit den leisen Tönen des Donners zu allen.
Für die letzte Zeile Rumis braucht es vielleicht einen Interpretation für die leisen Töne des Donners. Mein Vorschlag: Wer das Wohlwollen des Universums in den Korrektur-Impulsen ("meine B's") spürt, der ist ruhig und fest wie der Boden. An so einer Person orientieren sich alle anderen, senken intuitiv ihre Misstrauensschranke und aktivieren damit ihre Spiegelneuronen. Mit anderen Worten, sie versuchen diesen (geheilten) Menschen so gut es geht zu kopieren, so gut es geht zu werden wie dieser Mensch. Dieses Streben ist in uns eingebaut, und wird in der Gegenwart eines geheilten Menschen aktiviert, vorausgesetzt ich suche dessen/deren Gegenwart aus meinem freiem Willen heraus und bin bereit sie zu ertragen, denn ihre Gegenwart ist nicht immer angenehm.
Wo soll das Ganze hinführen?
Erstens, zu dem oben erwähnten Frieden in meinem Innern. Und zweitens zu dem inneren Frieden in möglichst vielen Individuen, auf das Frieden auf Erden einkehre. Das wird spätestens dann der Fall sein wenn dir Mehrzahl der Indivividuen ihren inneren Frieden pflegt, siehe rechts "Was ist eine Resonanzkette?". Bis dahin ist es ein hin-und-her. Und an dieser Stelle ist es Zeit das zu Feiern, was nicht geschehen ist - den nicht statt findenden Weltkrieg-III. Falls sie es noch nicht gemerkt haben, der Ukraine Konflikt, der Krieg zwischen Russland und der Ukraine hat sich nicht zum Weltkrieg ausgewachsen. Was steht dem im Weg?Wir sind es, die nach Frieden im Innern streben. Wir sind es, die für das B gerade stehen, egal ob angenehm oder unangenehm, und dadaurch Gelegenheit bekommen zu erkennen, was Rumi mit folgenden Worten beschreibt: