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Das Grollen unterm Teppich

Geoffrey Hoppe

Artikel von Geoffrey Hoppe [1], erschienen in der Sep-26 Ausgabeexterner link des Shaumbra Magazines


übersetzt von Georg Keppler {Fußnoten & geschweifte Klammern eingefügt vom Übersetzer}




In der letzten Zeit ist mir etwas aufgefallen. Während Unterhaltungen mit Shaumbra [2], mit Familie und Freunden, sogar während kurzen Begegnungen beim Einkaufen - es scheint eine Art Unbehagen zu geben. Manchmal sieht es wie Sorgen aus. Manchmal sind Leute ungewöhnlich irritierbar, als wäre eine weitere Kleinigkeit eine Kleinigkeit zu viel.

Oberflächlich gesehen ist alles in Ordnung. Wir beantworten Emails, kaufen Lebensmittel, machen Pläne für den nächsten Monat. Doch darunter scheint es zu rumoren. Es ist schwer den Finger darauf zu legen. Auf die Frage ob alles in Ordnung ist kann eine vollkommen vernünftige Antwort kommen, doch oft bleibt ein Gefühl dass diese Antwort nicht alles abdeckt.

Ich habe es an mir selber bemerkt. Und nach einer Woche des Nachdenkens habe ich mich entschlossen, es aufzuschreiben. Vielleicht hast du in dir ja etwas Ähnliches verspürt. Ich führe keine Umfrage durch, und eine Graphik die planetaren Angststufen zeigt, habe ich auch nicht. Ich teile mit was ich beobachtet habe und wie ich das verstehe. Was sich mir dabei immer wieder zeigt ist das Gefühl, dass unsere bekannten Methoden Halt zu finden nicht mehr ganz so gut funktionieren. Eine Überzeugung die zuvor Sicherheit vermittelt hat, ist nun mit einem Fragezeichen versehen. Eine Rolle die uns mit Sinn erfüllte passt nicht mehr so wie vorher. Wir schauen in die Zukunft und haben Schwierigkeiten uns dort zu sehen.

Das ist eine sehr persönliche Art der Unsicherheit. Es ist einfach darüber zu reden wie Regierungen oder Wirtschaftsysteme geändert werden können. Es wird erheblich "interessanter" wenn das in Frage gestellte System unser eigenes ist, das mit dem wir gewohnt sind durch jeden einzelnen Tag zu gehen. Ich glaube dass das der Teil ist, der diese Zeiten so unbequem macht. Im Prinzip können wir Veränderung willkommen heißen und trotzdem ziemlich verärgert sein, wenn sie im eigenen Wohnzimmer ankommt.

Für mich bietet Heaven's Cross [3] einen Möglichkeit es zu verstehen. Ich merke dass auf dem Planeten mehr Licht verfügbar wird, und damit mehr Gewahrsein für Dinge mit denen wir sehr lange gelebt haben. Manche dieser Dinge sind wunderbar. Andere lassen uns erstaunt hinterfragen wie es bloß möglich war sie so lange als normal zu akzeptieren.

Ich stelle es mir vor wie in einem vertrauten Raum Licht anzumachen. Die Möbel haben sich dadurch nicht bewegt, doch plötzlich kann ich sehen was ich umschifft habe, was ich einfach aus Gewohnheit behalten habe, das in den Ecken aufgestaute Gerümpel, und was ich statt dessen gern dort gern sehen würde. Es zeigt Möglichkeiten auf. Aber es kann auch den Anstrich Mist, jetzt muss ich das wegräumen" haben.

Aus meiner Sicht geschieht so etwas Ähnliches mit vielen von uns. Wir fangen an Überzeugungen und Verpflichtungen zu überdenken die einmal außer Frage standen. Wir bemerken wie viel von unserem Leben sich darum gedreht hat Anerkennung zu bekommen und Schwierigkeiten zu vermeiden. Selbst wenn wir für etwas anders bereit sind, kann es überraschend schwer sein sich von alten Regelungen zu lösen.

Dann ist da die Technologie. In Unterhaltungen über KI höre ich sowohl Begeisterung als auch echte Bedenken. Aus meiner Erfahrung sehe ich darin außerordentliche Möglichkeiten, aber ich verstehe auch jemanden der sich fragt wo ihr/sein Platz in einer Welt ist, in der sich die Bedingungen ständig zu ändern scheinen.

Ich verbringe meinen Tag viel lieber damit diesen Fragen nachzugehen als wiederholt das Ende der Menschheit zu proben. Dafür gibt es viele Gelegenheiten, ausgeschmückt mit dramatischer Musik und jemandem der zum Abo auffordert. Wie dem auch sei, ich möchte dieses Unbehagen weder Abwinken noch mit tröstlicher spiritueller Auslegung ausblenden. Ein paar Menschen die mir viel bedeuten gehen durch schwierige Zeiten. Ich ertappe mich dabei ihren Schmerz wegnehmen und alles besser machen zu wollen. Aber eine hoffnungsvolle Sichtweise dafür zu haben wo es für uns hingeht, beseitigt den Schmerz nicht.

Auch braucht nicht jede schwierige Erfahrung einem metaphysischen Zweck zugeordnet werden. Manchmal ist das Liebevollste was wir tun können zuhören, praktische Hilfe organisieren, oder einfach nur in Verbindung bleiben. Für diese sehr menschliche Empfindsamkeit gibt es einen gebührenden Platz in dem ganzen Gerede über Bewusstsein.

Für Shaumbra ist jetzt im Moment, glaube ich, eine der nützlichsten Fragen wie viel von unserer Aufmerksamkeit wir dem Unbehagen um uns herum geben sollen. Was wir als Massenbewusstsein bezeichnen kann ein verführerischer Platz werden, um dort den ganzen Tag zu verbringen. Es gibt so viele Meinungen zum berücksichtigen, so viele Ängste vorwegzunehmen, und in kürzester Zeit haben wir vergessen worüber wir uns gefreut haben bevor wir ins Internet gegangen sind.

Wir können registrieren wie andere Menschen sich fühlen ohne uns selbst dafür verantwortlich zu machen alles zu tragen. Wir können unsere eigene Reaktion zur Kenntnis nehmen ohne sofort daraus ein schreckliches Geschehen abzuleiten. Ein Gefühl hat Aufmerksamkeit verdient, aber es muss keine Vorhersage daraus werden.

An dieser Stelle komme ich auf Ich Bin. Ich Existiere. zurück. Darin liegt für mich etwas wunderbar Einfaches. In diesem Moment kann ich mit dem Versuch aufhören zu bestimmen wo der ganze Planet hingeht. Ich kann hier sein, in meinem eigenen Leben, und mir entspanntes Atmen gestatten.

Sobald ich ein bisschen Ausgleich gefunden habe gestatte ich mir in letzter Zeit etwas, das ich als Weisheits-Pause betrachte. Ich nehme einen tiefen Atemzug und erlaube meiner Weisheit hervor zu treten. In so einem Moment gibt es nichts herauszufinden, nichts was forciert oder gesteuert werden muss. Ich brauche nicht zu wissen wie die Weisheit aussehen wird. Ich kann sie einfach zulassen, dann meinen Beschäftigungen nachgehen, ohne zu kontrollieren ob irgend etwas passiert ist. In diesen kleinen Pausen habe ich etwas entdeckt das ungewöhnlich ist, auf ruhige Weise. Irgendwo im Tagesablauf merke ich oft, dass eine Leichtigkeit und Klarheit da ist die vorher nicht da war.

Dann wird mir klar was meine Aufmerksamkeit braucht. An manchen Tagen mag das heißen eine schwierige Unterhaltung zu haben, oder um Hilfe zu bitten. An anderen Tagen mag es heißen den Bildschirm allein zu lassen, einen Spaziergang zu machen, oder ein Abendessen zu genießen ohne die Sorgen der ganzen Welt dazu einzuladen. Zu uns selbst zurückzukommen schafft Raum für sehr gewöhnliche Dinge. Und bitte, lasst ein bisschen Platz für Freude. Um einen schönen Nachmittag zu genießen, müssen wir nicht darauf warten dass die ganze Menschheit zur Ruhe kommt. Bis dahin wäre der Wein weit über seinen Höhepunkt hinaus.

Ich glaube dass in dem was sich entfaltet Schönheit liegt. Ich sehe darin die Gelegenheit für Menschen freier zu werden und über alte Ängste und geerbte Begrenzungen hinaus zu leben. Ich sehe Raum für Kreativität die wir kaum angedacht haben. Was dabei herauskommt hängt zum Teil von unseren Entscheidungen ab, was wir mit diesen Möglichkeiten tun. Mehr Licht zur Verfügung zu haben gibt uns ein Werkzeug dafür, nimmt uns aber nicht die Entscheidung ab wie wir leben.

Das ist der Teil warum ich glaube dass wir in außergewöhnlichen Zeiten leben. Wir haben jahrelang über Bewusstsein und Wandel geredet. Jetzt sind wir im ganz persönlichen Erleben einer Zeit die uns auffordert so vieles zu überdenken was wir als gegeben betrachtet haben. An manchen Tagen bin ich fasziniert. An anderen Tagen graut mir davor. Doch jeder Tag erfüllt mich mit Ehrfurcht für das was geschieht.

Wenn du dieses Grollen unter dem Gewöhnlichen gespürt hast, dann ist die erste Entlastung vielleicht einfach dieses Unbehagen zu identifizieren. Du musst es heute Nacht nicht komplett auflösen. Ein Leben mit Raum für Freude ist immer noch da, und auch Menschen mit denen sie geteilt werden kann.

Die Menschen um mich herum werden mir weiterhin viel bedeuten, ich werde weiterhin erforschen was mich interessiert, und versuchen mich zu erinnern dass auch mein eigenes Leben seinen Teil dieser Aufmerksamkeit verdient. Ich möchte für die Schönheit dieser Zeit zur Verfügung stehen.

Und auf dem Weg dahin werde ich gern ein paar Nachmittage genießen.