Corona

auf ein Wort:
spinnen
Zyklen
gesundschrumpfen
freiwillig
klatschen
fuzzy
immun
Puzzle
Für diejenigen die es noch nicht wissen, Corona ist das spanische Wort für Krone. Es ist auch der umgangssprachliche Name für eine Virusfamilie. Diese im elektronenmikroskopischen Bild grob kugelförmigen Viren fallen durch einen Kranz blütenblattartiger Fortsätze auf, die an eine Sonnenkorona erinnern und ihnen den Namen gaben. Heutzutage ist Corona auch der Spitzname des berühmtesten Vertreters dieser Familie: COVID-19.

Nomen est omen - frei übersetzt "der Name ist Programm". Und so regiert Corona gegenwärtig die Welt, zumindest indirekt. Das konnte natürlich 1966 bei der Namesgebung noch niemand ahnen. Und wie es ausgeht ahnt vermutlich auch noch niemand. Bisher war und bleibt Corona eine Überraschung, nicht so sehr das Virus selbst, aber unsere Reaktionen darauf.

Kraft unserer Reaktionen regiert COVID-19 indirekt die ganze Welt - alle Menschen - in einem Ausmaß wie es noch keine Regierungs auch nur annähernd je hinbekommen hat. So viel Einigkeit hat global noch nie geherrscht. Und auch berücksichtigend dass diese momentane Einigkeit erwungen ist und vielleicht sofort zerbricht wenn der einende Druck nachlässt, erlaube ich mir die folgende Frage zu stellen: Kann es noch besser werden?

Globale Einigkeit ist schwer zu toppen! Doch beim Motiv für die Einigkeit, da gibt es noch sehr viel Luft nach oben. Wenn unsere Einigkeit freiwillig wird, das ist dann nochmal eine ganz andere Liga. Unsere gegenwärtige Einigkeit sieht ungefähr so aus wie das Bild links, lauter Einzelzimmer im gemeinsamen Boot Erde. Aber wenn alles gut geht, dann wird unsere Einigkeit (im übertragenen Sinne) einmal so aussehen wie das Bild rechts.

Was das mit heute (Jan 2021) zu tun hat? Nun, ich halte das Potential hin zu einer friedvollen Erde für größer als je zuvor. COVID-19 gibt uns eine Steilvorlage dafür große Schritte in Richtung Einigkeit zu gehen. Vielleicht trifft es die Situation besser zu sagen, wir brauchen bloß nach dem Ende der Regentschaft des Virus die sonst üblichen Schritte zurück in die Uneinigkeit NICHT zu machen.

Leichter gesagt als getan? Hier in Europa haben wir in einer vergleichbaren Situation schon einmal die Weichen dafür gestellt, dass einmal gelebte Einheit nicht so leicht wieder zerfallen kann. Nach dem letzten Weltkrieg machten sich die europäischen Führungskräfte Gedanken wie ein weiterer Krieg zwischen europäischen Nationen verhindert werden kann, dann es war allen klar: so etwas darf nie wieder passieren!

Die Fähigkeit Krieg zu führen hängt von der Rüstungsindustrie ab, oder mit anderen Worten davon was das Land mit seiner Kohle (Energie) und seinem Stahl macht. Keiner darf in der Lage sein heimlich Panzer und Kanonen zu bauen. Es braucht unabhängige Inspektoren die jederzeit unangemeldet entsprechende Industrieanlagen inspizieren dürfen.

Dieser sogenannte Schumann-Plan, nach dem damalige französische Außenminister Robert Schumann benannt, sah eine gemeinsame behördliche Aufsicht über die Stahl- und Kohleproduktion der beiden Erbfeinde Frankreich und Deutschland vor (Montanunion). Die erfolgreiche Umsetzung wurde zur Keimzelle der europäischen Einigung, aus der zunächst die EWG und dann nachfolgend die EU erwuchsen. Es geht also! Der geschichtliche Beweis liegt vor. Jetzt braucht es eine ähnliche Umsetzung auf globaler Ebene - den nächsten Schritt eben.

Jeder Neuanfang hat es viel einfacher wenn die bisherigen alten Systeme zum Stillstand kommen. Traditionell haben wir das immer mit einem saftigen Krieg bewerkstelligt - alles gründlich kaputt machen und dann wieder neu aufbauen. Diesmal hilft uns Corona um den Krieg herum, Stillstand ohne alles kaputt zu schlagen. Das kann man durchaus als Fortschritt sehen, ich jedenfalls. Ehrlich gesagt kann ich es nicht anders sehen. Es ist (m)ein Grund zum Feiern. Hurra wir können neu anfangen ohne vorher erst alles kaputt machen zu müssen! Wie geil ist das denn?

Sie sehen das anders? Ja, man kann das so und so sehen, und letztendlich wird sich die neue Wirklichkeit aus der Summe der Sichtweisen entfalten. Und da werde ich meine Sichtweise auf keinen Fall raus halten, ich bestimme mit! Wie dem auch sei, es wird auf jedenfall einen Neustart geben. Nichts wird so sein wie vorher, jedenfalls nicht genau so. Am Neustart werden sich nur die Dinge beteiligen können die sich gesund geschrumpft haben und die es schaffen ihre alte Struktur an die neuen Bedingungen anzugleichen. Und wie die aussehen werden, die neuen Bedingungen, weiß noch niemand mit Sicherheit - alles Spekulation.

Das vorhandene Strukturen die Umsetzung neuer Erkenntnisse behindern, kann man an Stadtplänen beobachten. Wo noch mittelalterliche Bauweise vorherrscht boomt eventuell der Tourismus, aber sonst nicht viel. Der Ausbau von moderner Internetanbindung ist dort am einfachsten wo keine alte Technologie berücksichtigt werden muss. Das gleiche gilt im Straßenbau - lieber großzügig neu bauen, wie noch funktionierendes Altes schrittchenweise gegen den erbitterten Widerstand der Umstände auszubauen. Wo noch ein Trott vorherrscht, sind neue Gangarten schwierig.

Corona stoppt unseren alten Trott auf vielen Ebenen, da kann ich "Juhu!" rufen, oder "Scheiße!". Stoppen ist Pflicht. Wenn ich schon um's Stoppen nicht herum komme, dann hilft es nach den Vorteilen Ausschau zu halten und den Nachteilen möglichst wenig Aufmerksamkeit zu widmen. Im günstigsten Fall kann ich aus tiefer Begeisterung die noch unbekannten neuen Möglichkeiten beklatschen, und im schlimmsten den erstarrenden Auslaufmodellen hinterherjammern. Wie hätten sie es gern? Ich werde so gut es geht klatschen lernen. Ein kleines bisschen Begeisterung habe ich schon.

Wo meine Begeisterung herkommt? Ich habe sozusagen einen "Plan", und zwar schon länger. Wie der Plan aussieht ist vielleicht gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass meine Chancen auf einen erfolgreiche Umsetzung des Planes vom Neustart begünstigt werden. Mein Plan läuft nämlich schon lange einigen der alten Strukturen zuwider. Am einfachsten kann ich es am Beispiel der Maskenpflicht erklären. Auf der einen Seite wollen viele dass alle Masken tragen müssen, und viele andere wollen dass keiner Masken tragen soll/muss/darf. Die beiden Seiten kloppen sich wie die Kesselflicker, obwohl sie ein gemeinsames Problem haben - die Maske. Manche werden ihre Maske weitertragen wenn COVID-19 schon längst Geschichte ist, bis zum Tod, aus reiner Vorsicht, COVID-20 kommt bestimmt. Na und?

Grippewellen werden weiter anrollen, jedes Jahr. Bei unserem globalen Flugverkehrsaufkommen ist es eher ein Wunder als eine Überraschung, dass die letzte Grippepandemie (Spanische Grippe) 100 Jahre zurück liegt. Vielleicht ist es ja sinnvoll etwas anders zu machen. Wir werden es herausfinden.

Was gegenwärtig Grippe-bezogen richtig ist und was falsch, weiß noch keiner mit Sicherheit. Vielleicht steht es ja noch nicht mal fest. Oder vielleicht ist es nicht für alle gleich, hängt ab von der Situation, vom Lebenswandel der Betroffenen? Ein interessanter Forschungansatz wäre: Was haben die Leute gemeinsam, denen COVID-19 nicht mehr ausmacht als eine andere Grippe auch?

Doch bis jetzt sind beide Seiten, Maskengegner und Maskenfans gleichermaßen am Vermuten, haben gemeinsam vor allem Angst vor der unausweichlichen Veränderung die so ganz unklar bleibt. Angst vor dem Unbekannten ist normal; helfen tut sie nicht. Jedenfalls suchen beide Seiten Heil in Dingen die sich in der Vergangenheit bereits bewährt haben, und aus denen sich ihre jeweiligen Vorlieben entwickelt haben: "Ich will die Zukunft wie sie gestern war." Dabei wird vergessen dass wir in einer neuen Situation sind in der Bewährtes nicht mehr passt, die neue, bisher unbekannte Maßnahmen braucht.

Von anderen als meinen eigenen bereits bewährten Vorlieben sehe ich mich existentiell bedroht. Auch das ist normal, auch das hilft nicht, und es zeigt sich hier als Maske tragen oder keine Maske tragen - to be or not to be. "Wenn ich gezwungen werde das zu tun dann sterbe ich." oder Wenn ich andere nicht zwinge das auch zu tun dann sterbe ich." Beides individuell möglich, und beides statistisch Käse.

Der Schlüssel zum Überleben unserer Spezies liegt schon immer darin dass nicht alle das gleiche tun. Denn wenn das falsch ist, dann sterben alle (sonst höchstens die Hälfte). Sicherheit liegt in der Vielfalt. Sie hat sich schon bei den Einzellern bewährt, führte zu Vielzellern und ist der unermüdliche Motor der Evolution. Versuch und Irrtum, Versuch und Irrtum, .. - Erfolg ist die letzte Stufe auf der Leiter des Mißerfolgs.

Was mir in der gegenwärtigen Situation helfen kann ist an folgendes zu denken:
  • ich könnte falsch liegen
  • wenn andere nicht das gleiche tun wie ich, dann wird garantiert jemand überleben, selbst wenn ich falsch liege
  • gesunder Menschenverstand sagt dass es für das Wohl Aller besser ist wenn ich andere Verhaltensstrategien als meine begrüße anstatt sie zu unterdrücken
  • bunte Vielfalt ist nicht nur gesund, bunt ist schön!
Es lebe die Vielfalt! Und dazu brauche ich Toleranz, besser noch Wohlwollen, und im schlimmsten Fall Liebe. Das ist mein Plan.



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